Die Zeitenwandlerin by Wiegleb Susanne

Die Zeitenwandlerin by Wiegleb Susanne

Autor:Wiegleb, Susanne
Die sprache: deu
Format: epub
ISBN: 9783806229998
Herausgeber: WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt
veröffentlicht: 2014-12-09T05:00:00+00:00


„Ivo?“

Er drehte sich kurz um. „Ich bin gleich wieder da, Ingrun, gleich.“

Verblüfft starrte ich ihm nach. Wie jetzt? Mal eben einen wehrlosen Mann metzeln gehen und dann vergnügt mit der Ehefrau ins Bett steigen und guten Sex haben? Hallo?

„Ivo!“

Doch er hörte mich schon nicht mehr, oder wollte mich nicht hören. Ratlos drehte ich mich um meine eigene Achse. Wie hatten sie den Mann übersehen können? Gammelten womöglich noch mehr von denen unbemerkt im Dorf herum? War das ein Grund, sie umzubringen? Kurz entschlossen raffte ich meine blutbefleckte Tunika vom Boden, zerrte sie mir über den Kopf und rannte den beiden Männern hinterher aus dem Haus. Natürlich waren sie längst in irgendeiner Tür verschwunden, nur in welcher? Suchend schaute ich hin und her, dann bemerkte ich noch mehr Männer, die auf eine Kate am hinteren Ende des Dorfes zurannten. Also rannte ich auch. Mein Rock war noch immer nass von der Wanderung und verfing sich ständig in meinen Beinen, ich stolperte durch die Unebenheiten im Schnee. Das erinnerte mich kurz daran, dass ich ja eigentlich zu Hosen übergehen wollte.

Völlig außer Atem erreichte ich die kleine Kate. Ein Knäuel Menschen versperrte den ohnehin schon schmalen Eingang, schrie, wütete, geballte Fäuste sausten aggressiv durch die Luft, dass ich den Kopf einziehen musste, um nicht selbst erwischt zu werden. Die Frauen, die ein Halbrund um uns bildeten, waren nicht besser. In wilder Raserei forderten sie alle lautstark den Tod des Mannes, den sie wahrscheinlich noch nicht einmal gesehen hatten. So viel zum Thema Frieden.

Dann gellten auch aus dem Inneren der Hütte laute Schreie. Jemand schrie vor Angst, dazwischen glaubte ich, Ivos Stimme zu hören. Ich konnte doch nicht danebenstehen und zulassen, dass Ivo einfach so einen Menschen abstach. Fieberhaft suchte ich nach einem Weg ins Innere der Hütte. Aber es gab nur die eine Tür. Also musste ich an den Männern vorbei. Ohne groß darüber nachzudenken, was ich tat, prügelte ich mit beiden Händen auf die Rücken der nächststehenden Kerle ein.

„Lasst mich vorbei!“, brüllte ich so energisch wie möglich. „Zur Seite, ich muss zum Häuptling.“ In der Tat war der Mann, der mit dem Schwert in der Hand unser Haus verlassen hatte, für mich nicht mehr mein Ivo, sondern der Häuptling. Jetzt dämmerte mir der Unterschied, von dem er gesprochen hatte. Die erste Reaktion der Männer ging gegen null. Sie drehten sich nicht einmal um. Also zwängte ich mich fluchend und schimpfend zwischen sie, drängelte, boxte, trat um mich, bis sie mich an sich vorbeiließen. Ich stolperte ins Innere der Kate, direkt in Cedrics Arme. Er fing mich auf, musterte mich erstaunt und reichlich unfreundlich.

„Was willst du hier, Ingrun? Das hier ist nichts für Frauen wie dich! Verschwinde.“

Ach ja? Harsch machte ich mich von ihm los.

„So? Was ist denn etwas für Frauen wie mich?“

Provozierend blickte ich mich um. Ivo kniete mit gezücktem Dolch über dem Mann am Boden, eine Hand in dessen verdrecktem Haar, bereit, ihm die Kehle durchzuschneiden. Ein dünner Faden Blut sickerte an seinem Hals herunter, wo Ivos Dolch ihn bei meinem Auftauchen geritzt hatte.



Download



Haftungsausschluss:
Diese Site speichert keine Dateien auf ihrem Server. Wir indizieren und verlinken nur                                                  Inhalte von anderen Websites zur Verfügung gestellt. Wenden Sie sich an die Inhaltsanbieter, um etwaige urheberrechtlich geschützte Inhalte zu entfernen, und senden Sie uns eine E-Mail. Wir werden die entsprechenden Links oder Inhalte umgehend entfernen.